Im Februar 2026 reist der Hamburger Augenarzt Dr. med. Said Bahloul, Facharzt für Augenheilkunde, im Auftrag der Stiftung Augenlicht nach Ndanda in Tansania. Für Dr. Bahloul ist es der erste karitative Auslandseinsatz dieser Art – und eine Reise in ein medizinisches Umfeld, das mit dem Alltag in Deutschland nur wenig gemeinsam hat.
Ziel des Einsatzes ist das St. Benedict Ndanda Referral Hospital im Süden Tansanias. Die Augenabteilung des Krankenhauses wird bereits seit längerer Zeit durch die Stiftung Augenlicht unterstützt. Nun soll dort ein COCO-Gerät eingeführt werden, das die Stiftung zur Verfügung gestellt hat. Dr. Bahloul weist das Team vor Ort in die Bedienung des Gerätes ein und begleitet die ersten Behandlungen.
Mit dem COCO-Gerät können Menschen mit Grünem Star (Glaukom) behandelt werden. Unbehandelt kann diese Erkrankung zur Erblindung führen – und vor Ort betrifft sie viele Patientinnen und Patienten. Für viele von ihnen ist augenärztliche Hilfe nur schwer erreichbar: Die Wege sind lang, die finanziellen Mittel begrenzt, und das nächste Zentrum mit vergleichbaren Behandlungsmöglichkeiten liegt rund zwölf Autostunden entfernt. Für viele Betroffene ist eine solche Reise kaum zu bewältigen.
Vor der Reise wird Dr. Bahloul in mehreren Telefonaten von Dr. Raimund Balmes unterstützt. Als erfahrener „Senior Expert“ für Auslandseinsätze mit Schwerpunkt Afrika bereitet Dr. Balmes ihn auf die besonderen Bedingungen vor Ort vor – nicht nur medizinisch, sondern auch hinsichtlich Situationen, die aus europäischer Sicht oft kaum vorstellbar sind. Gerade bei einem ersten Einsatz ist diese Unterstützung wichtig: Im Tandem-Modell bleibt ein erfahrener Ansprechpartner erreichbar, wenn vor Ort Fragen auftauchen oder Entscheidungen schwierig werden.
In Ndanda sieht Dr. Bahloul, wie unmittelbar die Unterstützung der Stiftung wirkt: Das Gerät kommt nicht einfach nur in der Klinik an, sondern wird gemeinsam mit dem Team in den Alltag integriert. Schritt für Schritt werden die Mitarbeitenden eingewiesen, erste Behandlungen begleitet und Abläufe so eingeübt, dass sie anschließend eigenständig fortgeführt werden können. Als die Wirkung des Gerätes bei den ersten Patientinnen und Patienten sichtbar wird, ist die Freude im Team groß. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort erleben direkt, welche neue Behandlungsmöglichkeit ihnen damit zur Verfügung steht – und zeigen sich enstprechend begeistert und dankbar.
So wird aus einer Spende mehr als ein medizinisches Gerät. Sie wird zu Wissen, Routine und zu einer Behandlung, die das Team auch nach der Abreise weiter anbieten kann. Für Dr. Bahloul wird hier greifbar, was „Hilfe zur Selbsthilfe“ bedeutet: Die Unterstützung endet nicht mit dem Einsatz, sondern wirkt weiter – bei den Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus und vor allem bei den Patientinnen und Patienten.
Auch wenn vieles fehlt, was in Deutschland selbstverständlich wäre, ist die Motivation des Teams groß. Für die Menschen in der Region kann das bedeuten, überhaupt eine Behandlung zu bekommen, die sonst unerreichbar bliebe.
Auch diese Arbeit ist nur möglich, weil Sie, liebe Spenderinnen und Spender, die Stiftung Augenlicht unterstützen.
Nach der Einweisung in Ndanda führen die Stiftung Augenlicht und Dr. Bahloul den Einsatz in Mangaka fort – einer Region ohne eigenen Augenarzt. Für diesen Außeneinsatz wird die Augenklinik kurzerhand zusammengepackt: Untersuchungsgeräte, Instrumente, OP-Mikroskop, Liegen und alles, was für Untersuchung und Behandlung benötigt wird. Am Ende passt die gesamte mobile Augenklinik in einen Geländewagen.
In Mangaka bauen Dr. Bahloul und das lokale Team die provisorische Augenklinik vor Ort neu auf. Drei Tage lang untersuchen sie knapp 300 Patientinnen und Patienten, viele von ihnen mit teils weit fortgeschrittenen Augenerkrankungen. Gemeinsam mit zwei lokalen Augenärzten kann Dr. Bahloul über 50 Patientinnen und Patienten operieren. Die häufigste Operation ist dabei die Graue-Star-Operation (Katarakt-OP).
Die Bedingungen vor Ort haben wenig mit dem Alltag in deutschen Kliniken gemeinsam: Es gibt kein fließendes Wasser, der Strom fällt regelmäßig aus – manchmal sogar während einer Operation. Dann helfen Taschenlampen weiter. Trotz dieser Herausforderungen bleibt das Team gelassen. Bei Problemen heißt es oft einfach „Hakuna Matata“ – Swahili für „kein Problem“.
Für die Menschen in dieser Region ist ein solcher Einsatz von großer Bedeutung. In Mangaka gibt es keinen eigenen Augenarzt. Wer eine fachärztliche Behandlung benötigt, müsste in eine andere Stadt reisen – eine Reise, die für viele aus finanziellen und organisatorischen Gründen kaum möglich ist. Viele Familien leben von der Landwirtschaft und sind auf die tägliche Arbeit auf ihren Feldern angewiesen. Längere Reisen oder Ausfallzeiten können daher schnell existenzbedrohende Folgen haben. Oft bleibt eine behandelbare Erkrankung deshalb lange unbehandelt.
Gerade beim Grauem Star (Katarakt) kann eine Operation das Leben eines Menschen innerhalb kurzer Zeit entscheidend verändern. Viele Patientinnen und Patienten waren vor dem Eingriff nahezu erblindet und können nach der Operation wieder deutlich klarer sehen. Die Reaktionen der Betroffenen berühren das gesamte Team – und machen unmittelbar sichtbar, was augenärztliche Hilfe vor Ort bewirken kann.
Auch dieser Einsatz außerhalb der Klinik zeigt, wofür die Arbeit der Stiftung Augenlicht steht: Hilfe dorthin zu bringen, wo sie sonst kaum erreichbar wäre. Ohne die Unterstützung der Stiftung und ihrer Spenderinnen und Spender ließe sich ein solcher Einsatz nicht umsetzen. Danke!